
Ostfriesisches Plattdeutsch: Oostfreesland) ist eine Region in Niedersachsen im äußersten Nordwesten . Ostfriesland liegt an der Nordseeküste und umfasst neben dem Festland auch die Ostfriesischen Inseln mit der Ausnahme Wangerooges , die historisch zum Land Oldenburg zählt.
In Ostfriesland leben ungefähr 465.000 Menschen auf 3.144,26 Quadratkilometern. Die Region ist damit im Vergleich zum Bundesdurchschnitt dünn besiedelt. Prägend für Ostfriesland ist, dass die Region nicht von einer größeren Stadt dominiert wird.
Das heutige Gebiet Ostfrieslands entspricht dem Gebiet des früheren Fürstentums Ostfriesland (bis 1744). Die Region war über Jahrhunderte von der Landwirtschaft, der Fischerei und − besonders in den wenigen Städten − vom Handel geprägt. Dazu zählte in den Hafenstädten insbesondere der Seehandel. Inzwischen haben der Tourismus und einige industrielle Kerne hohe Bedeutung für die ostfriesische Wirtschaft erlangt. Trotz wirtschaftlicher Fortschritte in den vergangenen Jahrzehnten gilt Ostfriesland weiterhin als strukturschwache Region.
Lage und Gebiet
Im allgemeinen wird unterschieden zwischen Ostfriesland im historisch-politischen Sinne (um das es im vorliegenden Artikel geht) und dem geografischen Begriff Ostfriesland, der weiter gefasst ist. Das „Ost“ in „Ostfriesland“ bezieht sich auf die Tatsache, dass Ostfriesland das östliche Friesland im Gegensatz zu Westfriesland (in den Niederlanden) und Nordfriesland (nordwestliches Schleswig-Holstein) ist.
Ostfriesen fühlen sich als Teil der friesischen Kultur – als Friesen, die in den Nationalstaaten der Niederlande und Deutschlands an der Nordseeküste wohnen. Zur „Sektion Ost“ des Friesenrates gehören daher neben Ostfriesland, dem Oldenburger Friesland und dem Saterland auch die Landstriche Butjadingen (Landkreis Wesermarsch) und Land Wursten (zwischen Bremerhaven und Cuxhaven).
Prägend für Ostfriesland ist unter anderem, dass es nicht von einer größeren Stadt dominiert wird, sondern dass die Vielfalt der Städte und Dörfer vorherrschend ist.
Die Jahrhunderte dauernde, landseitige relative Isolation durch Moore im Süden Ostfrieslands bedingte eine sehr eigenständige Entwicklung der Region innerhalb Deutschlands. Deshalb gibt es noch heute einen latenten Hang zum Separatismus, der sich vor allem in kulturellen Belangen zeigt und politisch als ein Bemühen um den Erhalt historisch gewachsener Strukturen und der Vermeidung der Verschmelzung mit außerostfriesischen Institutionen oder verwaltungstechnischen Einheiten hervortritt.
Ostfriesland nach 1945
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Ostfriesland Teil der Britischen Besatzungszone. Dabei waren auch kanadische Soldaten in Ostfriesland stationiert. In den Niederlanden gab es Überlegungen, einige Gebiete Deutschlands zu annektieren. Dabei wurde auch Ostfriesland ins Auge gefasst. Insbesondere auf den Dollart, die Emsmündung und Borkum hatten es die Niederlande abgesehen, um Emden vom Seehandel abzuschneiden. Diese Pläne scheiterten am Widerstand der Westalliierten.
Nach dem zweiten Weltkrieg wurde Ostfriesland von vielen Flüchtlingen und Vertriebenen aus den Ostgebieten des Deutschen Reichs bevölkert. Lebten 1945 noch etwa 295.600 Einwohner in der Region, waren es ein Jahr später bereits 364.500, 1948 dann 390.334 Einwohner. 1950 wurde mit 391.570 Einwohnern das vorläufige Maximum erreicht, unter ihnen stellten die Vertriebenen 16,3 Prozent.
1978 wurde der Regierungsbezirk mit den Bezirken Osnabrück und Oldenburg im Regierungsbezirk Wester Ems zusammengefasst. Im Jahre 2004 wurden im Zuge einer Verwaltungsreform alle Regierungsbezirke und damit auch der Bezirk Weser-Ems aufgelöst. Für kulturelle Belange in Ostfriesland ist die Ostfriesische Landschaft mitverantwortlich, die damit die einzige Körperschaft ist, die aus gewählten Vertretern (zu benennen von den Kreistagen und dem Emder Stadtrat) besteht und ostfrieslandweit tätig ist. Sie versteht sich als identitätsstiftende Institution aller Ostfriesen.
Der Wiederaufbau nach dem Krieg dauerte in Emden aufgrund der massiven Zerstörungen am längsten. Noch zu Beginn der 1960er Jahre gab es in der Stadt Barakenlager.
1964 wurde mit dem Bau des bis heute wichtigsten Industriebetriebs begonnen, dem Volkswagenwerk Emden . 1977 lief hier der letzte in Deutschland gebaute VW-Käfer vom Montageband. 1984 wurde in Aurich der Windenergieanlagenhersteller Enercon gegründet. In den 1980ern begann auch der Aufstieg Leers zum zweitgrößten deutschen Seereedereistandort.
